Donnerstag, 1. Mai 2014

Aufruf!!!

So ihr Lieben, wir müssen da mal ein ernstes Wort miteinander reden. Es geht mir wieder um die Hebammen und ihre Situation in Deutschland. Und wer jetzt schon gelangweilt mit dem Gedanken "ich gehe sowieso ins Krankenhaus" wegklicken will, halt stopp, erstmal weiter lesen, bitte.

Ich habe das Gefühl, viele verstehen noch nicht worum es hier geht und was für Folgen der Wegfall der Hebammen hätte!!!


Es geht hierbei keinesfalls nur um Hausgeburten und Geburten im Geburtshaus, es geht hierbei um das Recht einer jeden Frau auf eine Hebamme während und auch nach der Geburt.


Das Hebammengesetz regelt das ganz eindeutig.


§4



(1) Zur Leistung von Geburtshilfe sind, abgesehen von Notfällen, außer Ärztinnen und Ärzten nur Personen mit einer Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Hebamme” oder „Entbindungspfleger” sowie Dienstleistungserbringer im Sinne des § 1 Abs. 2 berechtigt. Die Ärztin und der Arzt sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß bei einer Entbindung eine Hebamme oder ein Entbindungspfleger zugezogen wird.
(2) Geburtshilfe im Sinne des Absatzes 1 umfaßt Überwachung des Geburtsvorgangs von Beginn der Wehen an, Hilfe bei der Geburt und Überwachung des Wochenbettverlaufs.

Sollte es den Hebammen also unmöglich gemacht werden zu arbeiten ist das schlichtweg nicht rechtens. Aber wo kein Kläger, da kein Richter, also liebe Frauen, nicht zurücklehnen und die Hände im Schoß falten, es geht um euer Recht. Wenn ihr schwanger seid und keine Hebamme findet, dürft, könnt und sollt ihr sogar klagen!!! 

Ich habe meine liebe Hebamme, die gerade in Afrika ist und dort als Hebamme Frauen begleitet (hier ihr Blog dazu und die Seite des Geburtshauses shantiuganda.org)  gebeten, das Thema mal aus ihrer Sicht zu beschreiben. Sie war so lieb und hat mir dann folgende Worte zukommen lassen:

"“Der schönste Beruf der Welt”, “Hebammen werden immer gebraucht” und “ein Beruf, der niemals ausstirbt” – diese Sätze habe ich schon oft gehört. Doch nun sind wir Hebammen tatsächlich vom Aussterben bedroht. Jeder kann zusehen, wie einer der ältesten Berufe der Welt um seine Existenz bangt. Die Versicherungsbeiträge für die Berufshaftplicht sind für Hebammen in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Der Grund dafür sind nicht etwa mehr Schadensfälle, sondern die steigenden Pflegekosten, wenn ein Kind bei der Geburt zu Schaden kommt. Das Geschäft mit den Hebammen lohnt sich für die Versicherer einfach nicht mehr. Für Juli 2015 hat die Versicherungsgruppe angekündigt, Hebammen überhaupt nicht mehr zu versichern. Das bedeutet schlicht ein Berufsverbot für Hebammen, denn ohne Berufshaftpflichtversicherung dürfen wir nicht arbeiten. Für die Frauen in Deutschland bedeutet das: Keine Vorsorge, keine Schwangerschaftsbegleitung, keine Geburtsvorbereitungskurse, keine Geburtsbegleitung, keine Nachsorge und keine Rückbildungskurse mehr durch eine Hebamme.
Es geht auch um den Verlust der Selbstbestimmung. Ohne freiberufliche Hebamme keine Geburtshausgeburt, keine Hausgeburt und auch keine Beleggeburt in der Klinik. 

Inzwischen konnte zwar ein anderer Versicherer gefunden werden, doch die neue Versicherung gilt nur befristet bis Juli 2016 und ist mit einer Kostensteigerung von 20% verbunden. Hebammen müssen also ab Juli 2015 6100€ im Jahr dafür bezahlen, ihren Beruf ausüben zu dürfen. Auch die Klinikhebammen sind betroffen, denn im Schadensfall reicht die Versicherung durch die Klinik nicht aus und Hebammen müssen mit ihrem Privatvermögen haften. Deswegen wird auch ihnen empfohlen, sich zusätzlich versichern zu lassen. Etliche kleine Geburtsstationen mussten geschlossen werden und die Geburtshilfe wird in große Zentren verlagert, die keine individuelle 1:1 Betreuung bieten können. So müssen schon jetzt gerade Frauen aus ländlichen Gebieten lange Wege aufnehmen, um zur nächsten Geburtsstation zu kommen. Genau das ist eine Bedrohung für Mutter und Kind – Zeitverzögerungen und keine angemessene Betreuung. Mit die größten Faktoren, die die Mutter- und Kindersterblichkeitsrate beeinflussen. Eine flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe gibt es schon jetzt nicht mehr. Viele Kolleginnen haben ihren Beruf schon aufgegeben und im Moment eine Hebamme zu finden, scheint für Schwangere fast unmöglich zu sein. Als Hebamme muss man sich Gedanken machen, wie man seinen Beruf finanzieren kann. Ein Sterben auf Raten, ein Aufschieben des Problems. Es gibt bisher keine langfristige Lösung, das Aussterben eines ganzen Berufsstandes aufzuhalten."  

Julia Hagedorn hat ihr Hebammenexamen 2011 in Speyer gemacht und danach zwei Jahre im Geburtshaus Koblenz gearbeitet bevor sie Ende letzten Jahres nach Afrika ging.

Ich kann immer noch gar nicht in Worte fassen, wie unvorstellbar schrecklich ich es finden würde, wenn ich bei unserem nächsten Kind (vielleicht, irgendwann) keine Hebamme an meiner Seite hätte. Meine erste Reaktion gegenüber meinem Mann war: Dann machen wir zwei das alleine, ich gehe nicht ins Krankenhaus! Für uns soweit die Schwangerschaft gut verläuft nicht unbedingt ein Thema, aber was ist danach? Im Wochenbett? 

Wer kommt täglich und schaut nach mir und dem Baby? Oder was hätte ich mit dem mini-maedchen und meinen Brustentzündungen ohne meine Hebamme gemacht? Klar, zum Arzt gehen und Antibiotika bekommen, aber wer sagt einer Erstlingsmama, dass es ok ist, wenn das Kind das Blut aus den offenen B.rustwarzen trinkt? Dass man keinesfalls 4 Stunden Abstände zwischen den Stillmahlzeiten haben muss? Auch keine 3 oder 2, sondern dass man ein Kind anlegt, wenn es Hunger hat? Kommt der Kinderarzt alle zwei Tage und nimmt dein Kind zärtlich auf den Arm, schaut ihm ins Gesichtchen und überprüft ob es ihm gut geht? Kommt dein Gynäkologe zu dir nach Hause schaut dir in die Augen und sieht, dass du gerade ein wenig mit dem Babyblues zu kämpfen hast und erklärt dir, dass das völlig in Ordnung ist und vorbei geht? Ich könnte ewig so weiter machen...

3 Tage nach der Geburt

Mache ich aber nicht, stattdessen bitte ich euch: Macht was!!!

Und was? 
Alle wichtigen Informationen findet ihr hier bei der Hebammenunterstützung. Und es wäre sehr wichtig, wenn ihr diese Petition unterzeichnet.

Bitte, bitte, es geht uns alle etwas an!!!

1 Kommentar:

  1. da ich eine hebamme im guten bekanntenkreis habe, habe ich diese petition schon vor einigen wochen unterzeichnet.
    auch wenn das ja schon eine weile durch die medien geht, so persönlich konnte ich noch nicht so viel einblick bekommen wie durch dich. danke.

    ich hoffe, da passiert bald mal was, aber in die richtige richtung!

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